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S-Bahn Unglück von Rüsselsheim - Für Sekunden ist es totenstill

Die kurze Unaufmerksamkeit eines Lokführers bezahlen 17 Fahrgäste der S-Bahn mit ihrem Leben


Die Bahnhofsuhr zeigt 16.42 Uhr. Es ist ein kalter 2. Februar. Die S-Bahn aus Richtung Wiesbaden ist voll besetzt. Am Opel-Bahnhof sind zahlreiche Opelaner eingestiegen, ebenso am Rüsselsheimer Bahnhof. Zugfüher Helmut Hosch, 24 Jahre alt, schaut kurz aus dem Seitenfenster, ob alle Türen geschlossen sind und beschleunigt dann die S-Bahn.

Zur gleichen Zeit kommt eine ebenfalls mit rund 500 Personen voll besetzte S-Bahn aus Richtung Frankfurt. Deren Lokführer Michael Ludwig Weil (28) bremst bereits ab, um am Rüsselsheimer Bahnhof zu halten. Helmut Hosch sieht plötzlich, dass er ein rotes Flügelsignal kurz vor dem Bahnübergang Königstädter Straße überfahren hat. Seine S-Bahn wird ausgerechnet an diesem Tag aus betriebsbedingten Gründen über eine Weiche auf das Gegengleis geleitet und fährt nun frontal auf die andere S-Bahn zu.

 

S-Bahn01

 

Die von Hosch noch eingeleitete Notbremsung kann das Unglück nicht verhindern. Glas splittert, Metall verbiegt sich. Ein ohrenbetäubender Lärm. Die aus Frankfurt kommende S-Bahn bohrt sich unter den entgegenkommenden Triebwagen. Augenzeugen berichten später, dieser Triebwagen sei zunächst fast senkrecht in den Himmel gestiegen und dann im Zeitlupentempo auf die Seite gefallen. Er begräbt auf einem Parkplatz neben den Bahngleisen mehrere Autos unter sich. Kaum liegt der Triebwagen auf dem Parkplatz, herrscht für einige Sekunden Totenstille, berichten Zeugen. Dann schreien Menschen durcheinander. Aus den hinteren Wagen taumeln Fahrgäste auf die Schienen. Ihnen bietet sich ein Bild des Grauens. Von den beiden Triebwagen ist nur noch verbogenes Blech übrig geblieben. Die S-Bahn-Züge sind ineinander verkeilt.


Nur wenige Minuten später kommen von der benachbarten Azbill-Kaserne amerikanische Soldaten herbeigerannt, um zu helfen. Auch die Feuerwehr, deren Stützpunkt sich in unmittelbarer Nähe befindet, ist sofort vor Ort. Aus dem gesamten Kreisgebiet und dem benachbarten Main-Taunus-Kreis rasen Rettungsfahrzeuge an die Unglückstelle. Bis zu 800 Retter sind in den nächsten Stunden im Einsatz. Die Helfer müssen sich über zerfetzte Körper und Leichenteile in die S-Bahn-Waggons vorkämpfen. Viele Menschen sind eingeklemmt und müssen mit schwerem Gerät befreit werden. Die Bilanz nach einigen Stunden: 17 Todesopfer und 145 zum Teil schwer verletzte Fahrgäste.

 


S-Bahn02


 

Das jünste Todesopfer ist ein 17 Jahre alter Schüler aus Wiesbaden-Nordenstadt, das älteste Opfer ein 76 Jahre alter Rentner aus Bad Schwalbach. Vier der Getöteten stammen aus Rüsselsheim.

Auch Lokführer Michael Ludwig Weil aus Rockenberg, der die S-Bahn aus Richtung Frankfurt fuhr, ist unter den Todesopfern.

Schwer verletzt ist Zugführer Helmut Hosch. Die Tatsache, dass sein Triebwagen sich über den anderen Triebwagen schob, rettete ihm vermutlich das Leben. Er erleidet unter anderem einen Beckenbruch und kommt auf die Intensivstation des Rüsselsheimer Krankenhauses.

 

S-Bahn04

 

Die Rettungswagen rasen pausenlos in die umliegenden Krankenhäuser und kommen wieder zurück, um weitere Menschen aufzunehmen. Einige Taxifahrer reagieren schnell, fahren zur Unglücksstelle und bringen die weniger schwer Verletzten zu Ärzten oder ins Krankenhaus. Derweil kämpfen Feuerwehr und Technisches Hilfswerk stundenlang mit den Trümmern, um an die eingeklemmten Menschen heranzukommen. Einige Helfer müssen sich abwenden und geben auf. Sie brauchen selbst Hilfe. Zu schrecklich sind die Bilder, die sie gesehen haben.

Die Einsatzstelle ist inzwischen weiträumig abgesperrt, um Gaffer fernzuhalten. Landrat Willi Blodt, Oberbürgermeister Norbert Winterstein, Bürgermeister Gerhard Löffert und später der damalige Innenminister Gottfried Milde kommen an den Unfallort.

 

S-Bahn03

 

Die ganze Nacht über wird dort gearbeitet. Am nächsten Tag beginnen Bergungstrupps der Bahn damit, die Wracks teilweise zu zerlegen. Sie werden später auf Tiefladern abtransportiert. Sie sind sichergestellt und müssen von der Staatsanwaltschaft untersucht werden.

Derweil regt sich Kritik an den Sicherheitseinrichtungen der Bahn. Viele Fragen werden laut. Warum konnte die S-Bahn ein rotes Haltesignal überfahren? Warum konnte der Zugführer die S-Bahn so stark beschleunigen, obwohl die Ausfahrt aus dem Bahnhof noch gesperrt war?

 

S-Bahn05


 
Die Eisenbahnergewerkschaft geht nach dem Unglück mit der Bahn scharf ins Gericht. Die Sicherheitstechnik sei auf die schnellen S-Bahnen nicht abgestimmt, die Lokführer erheblichem Stress ausgesetzt, und die alten Flügelsignale in Rüsselsheim seien nur schlecht zu erkennen. Das Hauptsignal, so der damalige Eisenbahngewerkschafter Winfried Lang, stehe viel zu weit weg vom Rüsselsheimer Bahnhof. Neben Eddersheim ist Rüsselsheim 1990 der einzige Bahnhof, in dem noch die alten Flügelsignale stehen.

Lokführer hätten Zwölf-Stunden-Schichten ohne ausreichende Pausen und würden bis zu 300 Überstunden vor sich herschieben, klagt die Gewerkschaft, die sich dagegen wendet, das Rüsselsheimer Unglück nur mit menschlichem Versagen zu erklären.

Nach einigen Monaten zieht die Bahn eine erste Bilanz. Rund sechs Millionen Mark Sachschaden gibt sie an.


Text: Rüsselsheimer Echo

Bilder: hr-online

 



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